Freitag, 12. Oktober 2012

Fremde Hunde als Trainingspartner „benutzen“?


Canisund Onlineserie – „Unarten“ von Hundehaltern

Teil 1

Fremde Hunde als Trainingspartner „benutzen“

Wenn Hunde ein Verhalten zeigen, welches von Menschen nicht gewünscht wird, wird oft leichtfertig von einer „Unart“ geredet. Meist sind diese „Unarten“ bei näherer Betrachtung ein normales Hundeverhalten, welches der Mensch nicht erkennt und zusätzlich in gewissen Situationen nicht tolerieren möchte. Oft wurde dieses als „Unart“ beschriebene Verhalten dem Hund vom Hundehalter unbewusst, aufgrund mangelnder Kenntnisse bzgl. des Hundeverhaltens, antrainiert. Die vermeintlichen Unarten der Hunde sollen hier aber nicht das Thema sein. Vielmehr möchte sich CANISUND in dieser Onlineserie mit Unarten beschäftigen, die sich auf das Verhalten der Hundehalter beziehen.
Heute möchten wir einmal darauf hinweisen, dass es eine wirklich lästige Unart von einigen Hundehaltern ist, fremde Hunde ungefragt als Trainingspartner zu „nutzen“.
Ein Beispiel: Ein Hundehalter möchte mit seinem Hund das Verhalten gegenüber fremden Hunden trainieren. Er geht dafür gezielt zu einem Garten, worin sich ein territorialer Hund befindet. Der Hund läuft bellend zum Zaun seines Grundstücks, wenn fremde Hunde vorbeigehen. Solange der Hund bellend zum Zaun läuft, aber das Bellen einstellt, wenn der „Feind“ vorbeigegangen ist, ist das ein völlig normales, territoriales Verhalten. Natürlich muss man das im Auge behalten, damit es sich nicht übertrieben entwickelt. Wenn jetzt aber fremde Hundehalter sich an den Zaun des territorialen Hundes begeben, direkt davor stehen bleiben – ihren Hund ins „Sitz“ bringen um so dessen Verhalten zu trainieren, ist das fast mehr als eine „Unart“. Der Hundehalter sollte einfach einmal versuchen, sich in die Hunde hineinzuversetzen. Da ist erst einmal der Hund auf dem Grundstück, hinter dem Zaun, der eigentlich nur fremde Hunde von seinem Grundstück fernhalten möchte. Bleibt der Fremde jetzt vor dem Grundstück sitzen, veranlasst das den Hund, der das Grundstück bewacht, natürlich dazu, sich immer mehr aufzuregen. Weil er schlicht und einfach denkt, der Hund, der nicht weitergeht, bleibt vor seinem Grundstück sitzen, um ihn zu provozieren und herauszufordern. Der Hund sieht das als ernsthafte Bedrohung an, wodurch sich sein Stress und seine Erregung immer weiter steigern. Der Hund des Hundehalters ist genauso im Stress – eigentlich würde er gerne weitergehen, weil er die Drohungen des Hundes hinter dem Zaun versteht und einer Konfrontation entgehen möchte. Er wird aber vom Besitzer gezwungen, an der Stelle sitzen zu bleiben. Der trainierende Hundebesitzer stellt also künstlich eine völlig unnötige und unnormale Situation her, in der beide Hunde stark gestresst werden. Nicht nur der eigene Hund – eben auch der andere Hund auf „seinem“ Grundstück. An dieser Stelle soll gar nicht darüber diskutiert werden, welches Training man ggf. mit dem territorialen Hund machen könnte, oder welches Training für den Hund vor dem Zaun sinnvoll wäre, um ihn vielleicht an Hunde zu gewöhnen oder sein Sozialverhalten zu verbessern. Es ist auf alle Fälle nicht in Ordnung, einen fremden Hund einfach ins Training einzubinden – und dann noch sämtliches Normalverhalten, sämtliche Körpersprache unbeachtet lässt…
Also, fremde Hunde ungefragt als „Trainingspartner“ zu nutzen ist unserer Meinung nach eine menschliche Unart im Umgang mit Hunden.
(Redaktion CANISUND)
 
Wenn Sie sich auch über „Unarten von Hundebesitzern“ ärgern, schreiben Sie uns doch eine Mail. Wir werden dies gerne in unserer Serie berücksichtigen.
 

www.canisund.de




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