Sonntag, 24. November 2013

Artgerechte Pelztierhaltung?


Es gibt tatsächlich Menschen die behaupten, man könne Tiere, deren Pelze der Mensch für sich nutzen möchte, „artgerecht“ halten. Am besten kenne ich mich natürlich mit Hundeartigen aus, darum möchte ich einmal etwas vom natürlichen Leben eines Fuchses erzählen. Füchse sind für Hundeartige relativ häufig auf Achse. Sie schlagen selten große Beute wie etwa Wölfe, sondern ernähren sich von vielen kleinen Mahlzeiten am Tag. Das können kleine Säugetiere sein, aber auch Insekten oder auch pflanzliche Kost wie Beeren etc. Um Ihren Tagesbedarf an Nahrung zu decken durchwandern sie ihr Revier, täglich fünf bis sechs Stunden lang. Um ihre Beute und ihre Nahrung zu erhalten werden sie oft vor Probleme gestellt – Probleme die sie lösen müssen, die ihr Gehirn fordern. Bei aller Arbeit der Nahrungsbeschaffung regenerieren Füchse aber auch lang und ausgiebig – weit über 10 Tagesstunden werden in sicheren, abgeschlossenen Rückzugsorten (Höhlen, dichtes Gebüsch) ohne viele Außenreize verschlafen. Und, häufiger als man denkt, kommt es bei Füchsen auch zu sozialen Kontakten mit vertrauten, oft verwandten Artgenossen. Fremde Artgenossen werden allerdings meist gemieden oder vertrieben, bzw. der Versuch unternommen, sie zu vertreiben. Zur Sicherung des Territoriums, welches Überlebenswichtig ist. 5 bis 6 Stunden wandern und Probleme lösen, den Kopf anstrengen. Lange Zeit ausgiebig und ohne Belästigung ruhen, sowie ausgiebiges Sozialverhalten mit Artgenossen, die sich ein Individuum aussucht – oder ihnen auch aus dem Weg gehen kann. Das ist ein natürliches, ein artgerechtes Leben dieser Tierart. Wie bitte will man ein solches Leben einem Fuchs auf einer Pelzfarm bieten? Auf wenigen Quadratzentimetern in einem Käfig? Wie soll ein Fuchs dort sein auf Problemlösung ausgelegtes hochentwickeltes Säugetiergehirn beschäftigen? Mal mit einem Ball, welcher ihm lieblos in den Käfig geworfen wird?  Wie soll er mit hunderten weiterer Füchse und dem menschlichen Arbeitsbetrieb rundherum  seine ernsthaften Ruhephasen finden? Wie soll er in der Kiste seinen Bewegungsdrang, sein Bedürfnis nach langen Streifgängen ausleben? Geht mit jedem Fuchs ein Mitarbeiter 5 Stunden Gassi am Tag? Natürlich nicht – unter Artgerecht verstehen diese Pelzproduzenten einige Quadratzentimeter mehr Raum im Käfig, und mal einen Ball oder ein Spielzeug hineinwerfen. Das ist so, als wenn man eine Gefängniszelle für einen Menschen um einen Quadratmeter vergrößern würde und dem Insassen jeden Tag dasselbe Fernsehprogramm vorsetzen würde. Und der Fuchs „sitzt“ zudem noch vollkommen unschuldig in diesem Käfig. Es ist mir wirklich vollkommen unverständlich, wie ein halbwegs normaler Mensch auch nur im Ansatz auf die Idee kommen kann, man könne einem Fuchs ein „schönes“ oder nur im entferntesten der Art gerechtes leben in einem Käfig bieten. Dusselige Ausreden für ein blutiges Geschäft, welches nur dem Profit dient und mit keinerlei Notwendigkeit gerechtfertigt werden kann. Es geht nur um die Befriedigung von Eitelkeits- und Modebedürfnissen von Menschen. Von selbstsüchtigen Menschen ohne Herz und Mitgefühl.
 

Freitag, 18. Oktober 2013

Wortlose Kommunikation unter Hundeartigen?

Es war im Sommer, ungefähr im Juli. Unser Gassigang führte uns über einen Weg, der zwischen Weizenfeldern einen Bogen nahm. Als wir zwischen dem Getreide „um die Ecke“ bogen, sahen wir zwei Füchse. Ein kleinerer, ein Welpe aus dem letzten Frühling, schritt auf dem Feldweg voran, mit dem Rücken zu uns. Kurz dahinter sah man ein Alttier, mit hoher Wahrscheinlichkeit die Mutter. Nun habe ich mir beruflich schon das Verhalten vieler Füchse angeschaut. Doch zufällige Begegnungen sind oft sehr stark an Aussagekraft. So auch hier…
Juniorfuchs war so in seine Welt vertieft, dass er gemütlich vorantrabte, ohne die vermeintlichen Feinde in seinem Rücken, vielleicht 15 Meter entfernt, zu entdecken. Muttern war aber viel aufmerksamer. Sie drehte sich um, sah den Menschen mit seinen zwei Hunden. Sie stieß direkt einen Warnlaut aus, der an das Bellen eines Kleinhundes erinnerte. Direkt mit dem Erklingen des Warnlautes drehte sich Junior um, erblickte uns und blitzschnell verschwanden sowohl Mutter als auch Welpe in den Weizenfeldern.
Was so interessant an der Szenerie war? Es gibt ja heute Philosophien in der Hundeerziehung, die von „wortloser Kommunikation“ erzählen, und dass Hunde nur so kommunizieren würden. Füchse sind jetzt nicht direkt Hunde, gehören aber zur gleichen Tierfamilie und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hätte sich eine Hundemutter in ähnlicher Situation, mit plötzlich auftauchender, potentieller Gefahr, genauso lautstark verhalten wie Mama Fuchs.
Mama Fuchs, die den vorantrabenden Filius durch Lautgebung gewarnt hatte, so mit ihm kommuniziert hatte. Was hätte sie auch sonst machen sollen? Sich auf die Hinterbeine stellen, mit den Vorderpfoten herumfuchteln und Sichtzeichen geben? Hätte Sie ein Tänzchen aufführen sollen und den Weizen beschwören? Oder hätte sie gar umständlich zum Sohnemann rennen sollen um diesen anzurempeln und ihn dadurch auf die potenzielle Gefahr aufmerksam zu machen?
Signale über Laute werden bei Füchsen wie auch bei Hunden nicht nur in Notfallsituationen gezeigt. Knurren, bellen, fiepen, brummen – alles ganz normale Mittel etwas auszudrücken – Mittel der Kommunikation. Wir brauchen, um mit unseren Hunden zu kommunizieren deshalb auch nicht gleich zu bellen. Wenn ich meine Hunde, die gerade vorauslaufen, warnen möchte oder sie animieren, zu mir zu kommen, brauche ich nicht wie Mama Fuchs zu bellen. Zum Warnen reicht z. B. ein „Hey“ und für das Zurückkommen kann ich ein beliebig trainiertes Wort nutzen. Wort ist wieder unnatürlich? Gut, um sich zu finden, und sich zu rufen heulen Wölfe, heulen, bellen und/oder jaulen Hunde. Sicher, wir können, wenn wir am Feldrand stehen um unsere Hunde „zusammenzutrommeln“ auch heulen oder jaulen um „natürlicher“ zu sein. Ein Wort oder vielleicht ein Pfeifsignal, dessen Bedeutung wir dem Hund beigebracht haben, tut es aber auch. Ohne dass uns Passanten für heulende Irre halten…
Wichtig ist auf jeden Fall, dass Lautgebung ein normales und probates Mittel der Kommunikation unter Hundeartigen ist. Und warum sollten wir dann stumm wie die Fische mit unseren Hunden kommunizieren? Weil einige Menschen Märchenerzähler sind? Mama Fuchs erzählt Ihrem Nachwuchs jedenfalls keine Märchen, sondern „sagt“, wenn nötig kurz und klar, was sie meint. Ein Tänzchen machen und den Weizen beschwören, nur um nichts zu „sagen“, hilft dem Welpen nicht, die Gefahr zu erkennen…
 PS - Sicher kommunizieren Hundeartige auch ohne Laute über Körpersprache und visuelle Signale. Aber eben nicht ausschließlich...

Sonntag, 6. Oktober 2013

Kopfsalat - Ist Hunde erziehen vermenschlichen?

CANISUND Kopfsalat beschäftigt sich mit Themen und Begriffen, zu denen wir keine absoluten Wahrheiten kennen. Wir möchten damit in einer Zeit, in der jeder nach der Vorgabe von Wahrheiten sucht und man mit Tipps zugeschüttet wird, einen Raum geben. Einen Raum, seine eigenen Antworten zu suchen. Man muss sie nicht immer finden…
Thema heute: Hundeerziehung – mit Schwerpunkt auf dem Wort „Erziehung“

Frage zum Anfang: Was heißt eigentlich Erziehung? Was ist Erziehung?

Ist Erziehung nicht ein anpassen menschlicher Wesen, in erster Linie Kinder, an kulturelle und politische Systeme?

Kennen Hunde Kultur oder Politik?

Können wir Hunde überhaupt erziehen?

Erziehen sich Hunde gegenseitig?

Lernen Hunde untereinander nicht nur einige Regeln kennen? Regeln, die das Überleben sichern. Ist das schon Erziehung?

Die sozialen Regeln unter Hunden sind in Nordkorea dieselben, wie in Deutschland.

Kennt ein in Nordkorea erzogener Mensch alle Regeln, die ein in Deutschland erzogener Mensch kennt?

Ist Hunde erziehen zu wollen, nicht eine Form von vermenschlichen?

Hunde lernen in Hundegruppen einige wenige, wichtige Regeln im Umgang miteinander. 100te Dinge und Verhaltensweisen können sie völlig frei entscheiden.

Hunde müssen beim Menschen 100te Regeln lernen. Was dürfen sie eigentlich frei entscheiden?

Kann sich ein nach menschlichen Maßstäben erzogener und gemaßregelter Hund, dem keinerlei Freiheiten zugestanden werden, überhaupt wohl fühlen?

Lebt ein so erzogener Hund oder existiert er nur?

Sind unerzogene Hunde automatisch gefährlich?

Sind erzogene Hunde, die mit allen Mitteln an eine bestimmte menschliche Kultur oder Verhaltensvorstellung angepasst werden, gefährlich?

Gezielte Hundeerziehung in der gesamten Gesellschaft gibt es wohl erst seit wenigen Jahrzehnten in den „reichen“ Ländern der Erde. Sind durch Hundeerziehung die Probleme Mensch/Hund geringer geworden?

Gibt es heute mehr Probleme als zu den Zeiten, als Hunde praktisch nicht erzogen wurden?

Leben Hunde erst seit 20 Jahren in Städten und müssen deshalb erzogen werden?

Gab es vor 20 Jahren keine Städte?

Müssen wir eigentlich erziehen, müssen wir Hunde in unsere kulturellen Formen pressen, mit allem Mitteln? Reicht es nicht, wie die letzten 15.000 Jahre, dass wir die Anpassungsfähigkeit von Mensch und Hund nutzen und sie sich lernend aneinander anpassen lassen? Reichen nicht einige klare Regeln – oder brauchen wir unbedingt 100te Verbote für unseren Seelenfrieden?

Wenn ein Hund, der durch schlechte Behandlung aggressiv wurde, durch Training wieder auf den „Friedenspfad“ gebracht wird. Was ist das dann? Erziehung, Umerziehung, Therapie?

Benutzen wir den Begriff „Erziehung“ nicht viel zu pauschal?

Benutzen wir den Begriff „Erziehung“ nicht inflationär?

Bedeutet „Erziehung“ nicht für jeden etwas anderes – auch begründet auf der eigenen moralischen und kulturellen Erziehung?

Wird der pauschale Begriff „Erziehung“ nicht für Philosophien missbraucht?

Frage zum Ende: Was heißt eigentlich Erziehung? Was ist Erziehung?

Dienstag, 1. Oktober 2013

Riepes Hundetalk für den Bürgermedienpreis gelistet


„Riepes Hundetalk“ ist in diesem Jahr für den Bürgermedienpreis der Landesmedienanstalt NRW gelistet. Wenn ihr möchtet, dass dieser Fernsehpreis an ein Format geht, “wo keine Hunde vorgeführt werden“, stimmt ab. Folgt einfach dem angehängten Link, drückt “Abstimmung starten“, klickt Euch über „Nächster Beitrag“ bis zum Hundetalk. Dann nur noch „für diesen Beitrag abstimmen“ J

Mittwoch, 21. August 2013

Sonntag, 23. Juni 2013

Hundeartige: Grenzen setzen untereinander...

Seit vielen Jahren widme ich der Tierfamilie der Hundeartigen meine besondere Aufmerksamkeit. Um die Mitglieder dieser Familie besser verstehen zu können besuche ich und beobachte ich sie gern und regelmäßig in ihrem natürlichen Lebensraum. Zur Familie der Hundeartigen gehören natürlich nach auch unsere Haushunde, die die domestizierte Form der Wildhundart Wolf sind. Und natürlich habe ich mir auch Wölfe und Haushunde in verschiedensten Lebensräumen „angeschaut“. Diese Beobachtungen haben mir persönlich weit mehr Erkenntnisse geliefert, als alle Theorien und „Weisheiten“, mit denen Hundehalter in allen Variationen konfrontiert werden. Ich möchte an dieser Stelle einmal ein spezielles Thema aufzeigen, dessen Deutung ich hier nicht vorgeben möchte, sondern dem Leser die Möglichkeit einräume, sich daraus ein eigenes Bild zu formen und im besten Fall einmal darüber nachzudenken, ob die bisherige Behandlung des eigenen Hundes bzw. ob das Verständnis des Hundes dem wirklichen Wesen dieser Tierart entspricht. Mit dem Thema, welche Freiheiten und welche Begrenzungen dem natürlichen Verhalten eines Hundes entsprechen.
Schauen wir uns dazu als erstes den Stammvater der Hunde, den Wolf an. Und schon hier werden wir feststellen, dass das allgemein verbreitete Bild vom Verhalten der Wölfe sich nicht mit meinen Erfahrungen deckt, aber auch nicht mit den Erfahrungen anderer Wolfsbeobachter, die Wölfe in ihrem natürlichen Lebensraum und in Freiheit beobachten konnten. Ich möchte hier nicht im Einzelnen und im Detail auf das komplette Sozialleben der Wölfe eingehen, weil dies für einen Artikel schlicht zu umfangreich wäre. Am Ende werde ich Ihnen aber Literaturhinweise geben, wo sie genaue Daten über den Wolf erfahren können - die auch den aktuellen Wissensstand wiederspiegeln.
Wölfe und Freiheiten
Kommen wir also an dieser Stelle zu einem Teilbereich des wölfischen Soziallebens. Zu den Grenzen und Beschränkungen, denen sich ein Wolf unterordnet, bzw. die ihm aufgelegt werden. Ein Wolf wird zurechtgewiesen, bzw. hat mit Zurechtweisung zu rechnen, wenn er einem anderen Mitglied der jeweiligen Familie eine Ressource (auch die Ressource Sexualpartner) streitig macht, bzw. wegnehmen möchte. Konkret heißt das, dass ein Individuum, welches sich z.B. ein Stück Nahrung gesichert hat, dieses gegen andere verteidigt und es nicht zulässt, dass ihm diese Nahrung weggenommen wird. In aller Regel wird die Ressource, hier die Nahrung, auch gegen Tiere verteidigt, die im Rang höher stehen. Auch wird ein guter Liegeplatz verteidigt und andere, die diesen Platz besetzen wollen, werden in ihrem Vorhaben begrenzt. Weiter werden Grenzen gesetzt in der sozialen Interaktion. Das heißt, wenn ein Tier im sozialen Kontext zu aufdringlich, bzw. zu robust agiert und es dem anderen unangenehm wird, wird die Handlung im Allgemeinen abgebrochen – meist durch ritualisierte körpersprachliche Mittel und max. Androhungen von Gewalt bis zu Remplern – in den seltensten Fällen allerdings mit ernsthaften Gewaltmitteln, falls die unangenehme Handlung nicht unterbrochen wird. Erwachsenen Wölfen werden also nur Grenzen gesetzt, wenn es um die Verteidigung von Nahrung oder anderen Ressourcen geht. Grundsätzlich niemals wird einem Wolf von irgendeinem anderen Mitglied der Familie, des Rudels, irgendetwas „verboten“, bzw. wird ein Rudelmitglied niemals zum Abbruch folgender Handlungen gezwungen: Entfernen von der Gruppe, selbstständig zu jagen, eigene Revierstreifzüge vorzunehmen oder Feinde in die Flucht zu schlagen. Grenzen werden also nur im direkten sozialen Kontext zwischen Individuen gesetzt – in allen anderen Tätigkeiten ist ein Wolf vollkommen frei. Er kann kommen und gehen wann er möchte, jagen so viel und so oft er möchte, sich hinlegen wo er möchte – solange der ausgesuchte Platz von keinem anderen Gruppenmitglied zur gleichen Zeit beansprucht wird. Nur Welpen werden von Eltern bzw. Babysittern daran gehindert, sich von der Gruppe zu entfernen – aus Sicherheitsgründen. Also, obwohl wir Menschen immer annehmen, dass Wölfe in einem absolut streng geregelten, hierarchischen System leben, können sie sehr frei entscheiden, was sie tun oder nicht – solange sie soziale Regeln im direkten Bezug zu den anderen Mitgliedern des sozialen Verbands einhalten.
Gut, ich spüre förmlich, wie viele Leser jetzt reflexartig denken, dass Hunde ja keine Wölfe mehr sind. Das ist natürlich richtig – aber auch falsch. Vereinfacht könnte man sagen, dass Haushunde Wölfe sind, die an den Lebensraum Mensch angepasst sind. Wie das im Einzelnen aussieht, kann man ebenfalls den Literaturhinweisen am Ende entnehmen.
Aber verlassen wir das Sozialleben der Wölfe und nähern uns den Haushunden an. Denn auch diese wurden „Opfer“ meiner Beobachtungen. Und da im Speziellen Haushunde, die noch in sehr ursprünglichem Verhältnis zu „ihren“ Menschen stehen. Wie z. B. Dorfhunde in Afrika.
Dorfhunde in Tansania
Also, nun zu den Grenzen und Beschränkungen denen sich ein afrikanischer Dorfhund unterordnet, bzw. die im auferlegt werden. Er wird zurechtgewiesen, bzw. hat mit Zurechtweisung zu rechnen, wenn er einem anderen Mitglied der jeweiligen Familie eine Ressource streitig macht, bzw. wegnehmen möchte. Konkret heißt das, dass ein Individuum, welches sich z.B. ein Stück Nahrung gesichert hat, dieses gegen andere verteidigt und es nicht zulässt, dass ihm diese Nahrung weggenommen wird. In aller Regel wird die Ressource, hier die Nahrung, auch gegen Tiere verteidigt, die im Rang höher stehen, aber auch gegen Menschen. Auch wird ein guter Liegeplatz verteidigt und andere, die diesen Platz besetzen wollen, werden in ihrem Vorhaben begrenzt. Weiter werden Grenzen gesetzt in der sozialen Interaktion. Das heißt, wenn ein Tier im sozialen Kontext zu aufdringlich, bzw. zu robust agiert und es dem Anderen unangenehm wird, wird die Handlung im Allgemeinen abgebrochen – meist durch ritualisierte körpersprachliche Mittel und max. Androhungen von Gewalt bis zu Remplern – in den seltensten Fällen allerdings mit ernsthaften Gewaltmitteln. Falls die unangenehme Handlung nicht unterbrochen wird. Erwachsenen Dorfhunden werden also nur Grenzen gesetzt, wenn es um die Verteidigung von Nahrung oder anderen Ressourcen geht. Grundsätzlich niemals wird einem Dorfhund von irgendeinem anderen Mitglied der Familie, der sozialen Gruppe, irgendetwas „verboten“, bzw. wird ein Gruppenmitglied niemals zum Abbruch folgender Handlungen gezwungen: Entfernen von der Gruppe, selbstständig zu jagen oder Nahrung zu sammeln, eigene Revierstreifzüge vorzunehmen oder Feinde in die Flucht zu schlagen. Grenzen werden also nur im direkten sozialen Kontext zwischen Individuen gesetzt – in allen anderen Tätigkeiten ist ein Dorfhund vollkommen frei. Er kann kommen und gehen wann er möchte, Ratten und Mäuse jagen so viel und so oft er möchte (aber natürlich keine Hühner oder andere Nutztiere, tun Dorfhunde aber von sich aus auch selten, weil diese zum sozialen Umfeld gehören), sich hinlegen wo er möchte – solange kein anderer im gleichen Moment den Platz beansprucht. Nur Welpen werden von Alttieren bzw. Babysittern daran gehindert, sich von der Gruppe zu entfernen – aus Sicherheitsgründen.
Das vorher beschriebene soziale Modell wird übrigens von allen Mitgliedern der sozialen Gruppe gleichermaßen akzeptiert und angewendet. Menschen und Hunden. Erziehung oder ähnliches kennen die Afrikaner, bei denen ich Hunde beobachten durfte nicht. Soziale Interaktionen mit Grenzen und Regeln – das war es. Mit sehr viel Freiheiten…
Also, obwohl wir Menschen immer annehmen, dass Hunde in einem absolut streng geregelten hierarchischen System leben, können Dorfhunde sehr frei entscheiden, was sie tun oder nicht – solange sie soziale Regeln im direkten Bezug zu den anderen Mitgliedern des sozialen Verbands einhalten.
Klingt wie eine Wiederholung des Wolfsabschnitts? Ist es auch, beschreibt aber auch das Sozialleben afrikanischer Dorfhunde…
Wenn ich jetzt noch weitere Beispiele der von mir persönlich beobachteten Hundeartigen, ob „wild“ oder domestiziert anführen würde, wäre die Gefahr von Wiederholungen erneut sehr groß. Denn auch bei domestizierten Ranchhunden, bei Dingos, Kojoten – aber auch Füchsen, ist das Verhältnis von Begrenzungen und Freiheiten ähnlich. Eigentlich sind die Begrenzungen überall sehr gering und nur im direkten sozialen Kontext, meist bezogen auf Ressourcen, zu sehen. Außerhalb des sozialen Rahmens gibt es praktisch keine Grenzen und Beschränkungen der einzelnen Individuen. Ich halte es auch für wichtig hier zu erwähnen, dass dieses Verhältnis von Begrenzungen und Freiheiten auch bei „modernen“ Hunderassen zu finden waren (und natürlich auch sind), also nicht nur bei ursprünglichen Dorfhunden in Afrika, sondern auch bei Ranch- und Bauernhunden in Amerika und Australien. Diese Hunde gehörten verschiedensten Rassen an. Bordercollies, Labradore, Münsterländer, Terrier aller Art und weitere eigentlich spezialisierte Hunderassen der heutigen Zeit. Interessant ist die Beobachtung, dass deren Verhalten im sozialen Bereich letztlich dem von Wölfen und ursprünglichen Hunden sehr ähnelt, solange der Mensch ihnen nicht von morgens bis abends vorschreibt, was sie nicht tun dürfen. Begrenzungen und Freiheiten der Ranch- und Bauernhunde entsprechen also im Wesentlichen den vorher beschriebenen Wölfen und auch Dorfhunden. Ebenfalls als interessant kann man die Feststellung interpretieren, dass von relativ frei lebenden Hunden so gut wie keine Aggressionen gegenüber Menschen zu verzeichnen sind – außer natürlich im Fall von Tollwut. Unerzogene, gesunde Dorfhunde aus Afrika beißen, laut Aussage der einheimischen Bevölkerung sehr selten – auf jeden Fall seltener als Hunde aus Deutschland, die eine umfangreiche Erziehung hinter sich haben. Ist daran vielleicht die Erzeihung an sich schuld? Oder die Methoden der Erziehung? Vielleicht sogar, wenn die Erziehung und die Methoden auf einem ganz anderen Bild, einer ganz anderen Ansicht des natürlichen Hundeverhaltens beruhen, als dem Bild, welches der Realität entspricht? Wenn man zum Beispiel die Hundeerziehung nur auf Begrenzung und Verboten aufbaut?
Nur eine Anregung zum Nachdenken
Dieser Artikel soll nicht als der Weisheit letzter Schluss gelten und alle Fragen der Problematik der „modernen“ Hundeerziehung ansprechen oder gar lösen. Ganz im Gegenteil. Mir ist natürlich vollkommen klar, dass wir in der heutigen Gesellschaft nicht ohne Grenzen und Verbote auskommen. Aber ich möchte hier aufzeigen, dass Hunde keine Lebewesen sind, die von Natur aus nur begrenzt werden und denen man keine Freiheiten zugestehen darf – weil sie dann nach Ansicht einiger „Hundeexperten“ gefährlich würden, die „Chefrolle“ anstreben würden oder ähnlichen Unfug. Diese Zeilen sollen Sie nur zum Nachdenken anregen, vielleicht einmal zu überdenken, ob Sie Ihren Hund, seine Veranlagungen und Bedürfnisse immer verstehen. Oder ob die Hundetrainer, die immer nur von Grenzen und Beschränkungen reden, wirklich recht haben. Machen Sie sich Gedanken und bilden Sie sich ihre eigene Meinung.
Hier konnte ich nur auf einen kleinen Teil des natürlichen Soziallebens der Hunde eingehen, werde das aber in folgenden Artikeln vertiefen. Dann möchte ich Ihnen auch näher bringen, wie man natürliche Freiheiten etc. im Hundealltag „simulieren“ kann – allerdings mit den Grenzen, die unsere Umwelt verlangt… 

Literaturtipps zu Grundlagen des Sozialverhaltens:

-       Veröffentlichungen von David Mech  http://www.npwrc.usgs.gov/staff/mech.htm

-       Hundeartige: Das Nachschlagewerk der Wild- und Haushunde von Thomas Riepe von Animal Learn Verlag

Montag, 3. Juni 2013

„Billigwelpen“ - wissen Menschen eigentlich, was dahintersteckt?

In erster Linie beschäftige ich mich in diesem Blog mit Themen, die mit der Hundeerziehung oder dem Umgang mit dem Lebewesen Hund an sich zu tun haben. Ich möchte erreichen, dass Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen mit Hunden arbeiten oder auch zusammenleben, viele Dinge differenzierter betrachten und möchte bezüglich des Umgangs mit dem Hund zum Nachdenken anregen. Bei dem Thema, das ich heute ansprechen möchte, bin ich mir eigentlich sehr sicher, dass die Leser dieses Blogs da weitgehend mit mir übereinstimmen. Weil die Leserschaft sich hauptsächlich aus Hundehaltern und Hundetrainern zusammensetzt, die grundsätzlich gut informiert sind, wenn auch manchmal unterschiedlicher Meinung in konkreten Fragen. Billigwelpen werden die informierten Leser dieses Blogs nicht befürworten, da bin ich mir sicher. Aber leider gibt es sehr viele Menschen, die mit dem Gedanken spielen sich einen Hund zuzulegen und nicht so gut informiert sind. Gerade die möchte dieser Artikel aber erreichen. Ich zähle daher auf alle Stammleser, dass sie bei der Verteilung mithelfen…
Gestresste Welpen und Mütter
An dieser Stelle möchte ich einige Worte zu Rassewelpen verlieren, die man für wenige hundert Euro (manchmal noch weniger) erwerben kann. In vielen Fällen werden diese Welpen in Großzuchtstätten geboren, die in Ländern liegen, die, drücken wir es vorsichtig aus, ein anderes Verhältnis zum Hund haben als wir in Mitteleuropa. Die Welpen werden dort als Ware, als Produkt angesehen, welches einen wirtschaftlichen Profit verspricht. So kommt es vor, dass Welpen in regelrechten „Produktionsstätten“ auf die Welt gebracht werden. Vielfach genügen diese Orte nicht einmal einfachsten, den Tieren wenigstens im Ansatz gerecht werdenden Standards. Mutterhunde werden als Gebährmaschinen missbraucht und werden bei jeder Läufigkeit belegt – was die Körper unglaublich belastet. Hündinnen sind körperlich von Natur aus eigentlich nur einmal jährlich in der Lage Nachwuchs auf die Welt zu bringen, ohne selbst Schaden zu nehmen. Auch wenn sie, dank der Selektion durch Menschen, meist zweimal im Jahr empfängnisbereit sind. Zusätzlich zur körperlichen Überbelastung kommt, dass die Tiere in Zwingeranlagen eingepfercht sind, fast nie an die Luft kommen oder irgendeinen anderen, lebensnotwendigen Reiz bekommen. Die Mutterhündinnen vegetieren vor sich hin, ohne wichtige Elemente des Lebens, die Glück und Wohlbefinden hervorrufen. Stresshormone sind ständig im Körper, aber entgegenwirkende Stoffe der körpereigenen Biochemie können dank fehlender Stimulanz nicht gebildet werden. Die Muttertiere in diesen Massenzuchtstätten unterliegen also einem starken Stress. Einem Stress, dem letztlich auch die ungeborenen Welpen schon im Mutterleib ausgesetzt sind, weil Kreisläufe und Biochemie direkt miteinander verwoben sind. So kommen diese kleinen Lebewesen schon mit einem biochemischen Ungleichgewicht auf die Welt – dauerhafte Stressanfälligkeit und sehr viel Angst und Unsicherheit im gesamten späteren Leben sind meist die unausweichliche Folge. Zudem ist die Mutter auch vom Immunsystem her geschwächt, die Neugeborenen also auch. Krankheiten und Keime haben bei diesen schwachen Organismen eine größere Chance Fuß zu fassen und sich auszubreiten.
Viel zu früh der Mutter entrissen
 Und als wenn das noch nicht genug wäre, werden die Welpen dann noch ihrer Mutter entrissen und mit 4 oder 5 Wochen auf dem Markt verkauft. Die kleinen Lebewesen sind aber noch gar nicht in der Lage, ohne Ihre Mutter zu existieren, ihr kleines Gehirn kann noch nicht mit den vielen Eindrücken umgehen, die plötzlich, außerhalb ihres dunklen Verschlags, plötzlich auf sie einstürzen. Redende Menschen, Gezerre und unglaublich viele Außenreize. Und das alles ohne ihre Mutter, ihre einzige Konstante in dem jungen Leben, die zwar auch schwach und gestresst war, aber trotzdem wenigstens beruhigend auf die Welpen einwirken konnte. Die Welpen werden so in der normalen Entwicklung ihres Gehirns gehemmt, sie sind erneut stark gestresst – so stark, dass ihr Körper nicht in der Lage ist, sich anzupassen. Starker Stress schwächt das ohnehin angeschlagene Immunsystem noch mehr, Krankheiten haben noch leichteres Spiel. Was mit diesen Welpen aus diesen Massenzuchtstätten passiert ist furchtbar und der menschlichen Gesellschaft eigentlich unwürdig. Aber leider Realität. Diese Welpen werden dann, oft illegal, nach Mitteleuropa gebracht und dort billigst verkauft. Manchmal auf „Tiermärkten“ aus dem Kofferraum heraus, oft erreichen die Händler ihre Kunden auch über das Internet oder tun so, als wären die Welpen auf irgendeinem Bauernhof geboren worden. Der ganze Handel mit Welpen ist organisiert und ein ganz perfides Unterfangen. Ein Teil der Welpen aus solchen Quellen stirbt schon kurze Zeit, nachdem sie bei ihren neuen Besitzern sind. Diejenigen, die überleben, sind fast immer und ihr Leben lang mit vielen Problemen behaftet. Physisch und psychisch…
Schuld der Käufer?
Dabei wäre es wirklich ganz einfach, dieses Welpenelend zu beenden. Schlicht, indem niemand mehr einen solchen Welpen kauft. Das ganze System, alles was den Welpen, ihren Müttern - allen daran beteiligten Hunden angetan wird, wird nur dadurch ermöglicht, dass in Deutschland Menschen dazu bereit sind, Welpen für „kleines Geld“ zu erwerben.
Dies soll keinesfalls ein pauschaler Angriff auf Welpenerwerber sein, die aus Unwissenheit einen solchen Welpen bei sich aufgenommen haben. Aber wer dies gelesen hat, weiß etwas mehr und sollte dies bei jedem zukünftigen Hundewunsch berücksichtigen.
Aber es ist nun einmal so, dass letztlich der Markt für billige Welpen vom Käufer bestimmt wird. Gäbe es keine Käufer, gäbe es keine Massenzuchtstätten und keine leidenden Welpen. Darum meine bitte an alle die, die sich mit dem Gedanken beschäftigen, einen Welpen zu erwerben. Im Interesse der kleinen, unschuldigen Lebewesen – machen Sie einen großen Bogen um Angebote von Billigwelpen. Für jeden Verkauften Hund werden mehrere nachgezüchtet – alles kleine Individuen, die entsetzlich leiden. Nachgezüchtet wird übrigens auch, wenn man einen dieser Welpen aus Mitleid erwirbt. Gesetze der Marktwirtschaft – Absatz fördert Produktion. Auch wenn die Worte „Absatz und Produktion“ in diesem Zusammenhang nicht wirklich schön sind…
Wenn Sie sich also einen Hund zulegen möchten, erkundigen Sie sich doch bei einem Tierschutzverein. Oder, wenn es denn unbedingt ein Welpe sein soll, suchen Sie sich einen Züchter aus, der transparent und überprüfbar züchtet, sowie den Welpen einen optimalen Start ins Leben ermöglicht.
Tierschutzhunde und seriöse Züchter
An dieser Stelle möchte ich gern erwähnen, dass ich persönlich immer Hunde aus dem Tierschutz bei mir aufnehme, es aber auch Züchter geben muss – wenn auch in einem ganz anderen Umfang als heute Realität ist. Welpen und Nachwuchs muss es natürlich geben, andernfalls würden Hunde schlicht aussterben. Es ist zudem ein Bedarf an Welpen da, ca. 500.000 wechseln jedes Jahr in Deutschland den Besitzer – und leider viel zu viele davon aus den angesprochenen Massenzuchten mit all dem Elend. Es wäre daher ein Fortschritt, wenn die Welpenkäufer auf seriöse Züchter zurückgreifen würden. Die gibt es natürlich und ich kenne persönlich einige, die nicht an den Profit denken, sondern aus Engagement und der Liebe zum Tier und auch zu einer speziellen Rasse, sehr viel Energie und Freude in kleine Zuchten stecken. Was ein seriöser Züchter ist, darauf werde ich in einem späteren Artikel in diesem Blog noch eingehen. Hier kann man aber schon feststellen, dass ein seriöser Züchter einen Hund nicht für einen „Discountpreis“ anbieten kann. Gute Ernährung, medizinische Versorgung und Vorsorge sowie die Zeit, Welpen behutsam auf das Leben vorzubereiten, aber auch ein tiergerechtes Umfeld haben ihren Preis. Wenn ich also einen Welpen suche, der bestmöglichst ins Leben gestartet ist, dann kann und darf ich keinen Billigwelpen zu mir holen. Zum einen werde ich mit einem solchen Welpen viele Probleme bekommen, die letztlich mehr Kosten verursachen, als ich am „Kaufpreis gespart“ habe. Zum anderen verursache ich mit dem Erwerb eines solchen Welpen unglaubliches Leid, weil es immer weitergeht und immer mehr arme Lebewesen „produziert“ werden.
Sumpf der Tierquälerei trockenlegen
Es gibt viele Wege, wie ein Hund seinen Weg zu uns Menschen findet. Wie erwähnt durch Tierschutzorganisationen (dazu gehören natürlich auch Tierheime) oder seriöse und transparente Züchter. Auf keinen Fall dürfen wir als verantwortungsbewusste Menschen aber diese „Züchter“ und Händler unterstützen, die nur an den Profit denken und das Lebewesen Hund als Ware betrachten. Deren Markt, dieser Sumpf aus Tierquälerei, muss trockengelegt werden. Das kann nur erreicht werden, indem ihre „Ware“ keinen Käufer mehr findet…
Sicher, bei mir steckt hier sicher mehr der Wunsch hinter dem Gedanken. Aber vielleicht kann ich hiermit ja den ein oder anderen potentiellen Welpenkäufer dazu bewegen, mit der Trockenlegung des Sumpfes zu beginnen.